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Gelesen: Das Seerosen Prinzip - Wie uns die Gier ruiniert, von Daniel Goeudevert

BuchumschlagBücher dieser Art gibt es so einige. Es steht auch nichts Falsches in ihnen. Geschrieben oft von ehemaligen Spitzenmanagern – nicht verwunderlich, da diese natürlich Einsicht in Wirtschaftsprozesse haben, über die man ansonsten nur spekulieren könnte.

Es geht also um Kritik am System, dem politischen und wirtschaftlichen. Auch wenn man dem Inhalt zustimmt, so ist es inhaltlich doch wohlbekannt, mit oft sogar ähnlichen Anekdoten wie die ähnlichen Werke. (Der Klassiker: Die ‘Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral’, von Heinrich Böll (S. 32).)

Ein paar Unklarheiten, zumindest für mich, finde ich auch in diesem Buch wieder, und wieder ist es überraschend, dass gerade Wirtschaftskapitäne das nicht ansprechen: Die Diskrepanz zwischen wohlwollendem Reden und Handeln liegt nicht, oder zumindest nicht hauptsächlich, in der Kurzlebigkeit heutiger Entscheidungen, sondern im Kontrast zwischen Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft.
Während es volkswirtschaftlich durchaus Sinn ergibt, so wie der Autor schreibt, nachhaltig und ökologisch zu wirtschaften, so stimmt das leider nicht für den betriebswirtschaftlichen Aspekt des Wirtschaftslebens. Wenn ich Ressourcen (dazu gehören auch die abhängigen Mitarbeiter) nicht ausbeute sondern gut bezahle, so bringt das der Gemeinschaft etwas; die Kosten sind allerdings selbst zu tragen. Ein Konkurrent, der nicht nach ethischen Prinzipien handelt, profitiert also genauso davon wie ich. Dieser Konflikt wird leider auch in diesem Werk nicht aufgelöst.

Die Argumentationsketten sind leider auch manchmal nicht so recht schlüssig: Auf Seite 30 geisselt der Autor den Automobilkonzern Renault für seinen, möglicherweise, menschenverachtende, stresserzeugende Managementstil, der zu drei Selbstmorden geführt hat, auf Seite 52 lobt er das gleiche Unternehmen für seine Innovationskraft — was denkt der Autor wo diese herkommt? Auf der einen Seite soll man Mitarbeiter, Menschen zur Ruhe kommen lassen und nicht tagein, tagaus antreiben, andererseits hätten die Unternehmen nicht die Kraft "aus Denkstrukturen" auszubrechen? Wer genau so dass tun? Lediglich die CEOs?

Andere Details stören nur wenig, wie die Beschreibung der "Elite" als etwas demokratisches, durch die Auswahl von den Besten aus der Menge, mit purer Leistung als Kriterium (S. 128f). Eliten in dieser Form weniger etwas demokratisches, sondern republikanisches, das Märchen vom Tellerwäscher zum Millionär somit auch eher amerikanisch als europäisch.

Zum Schluss wird das Buch tendentiell mehr postiv, und wendet sich hinweg von negativen Beispielen zu positiven, in dem gutes Wirtschaften als das Credo moderner Ökonomie präsentiert wird. Goeudevert zeigt sich überzeugt, dass ökonomisches Wirtschaften das "richtige" Wirtschaften ist, und dass es gar keine Moral benötigt, dass wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand mit Ressourcenschonung einher geht. Sein Wort in Gottes Ohr, oder in das der Eliten.

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