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Gelesen: Die Probleme der Stadt, von Leopold Kohr

Nach einigen Büchern von Leopold Kohr kennt man seine Philosophie schon etwas. Und auch dieses Buch enttäuscht mich nicht. Die von jedem ideologischen Ballast freien - vielleicht gerade deshalb manchmal naiv klingenden - Thesen zum Zusammenleben der Gesellschaft gehen diesmal in das dichtest gepackte Geflecht: Die Stadt.

1989 erschienen gehört es zu den späteren Werken. Es fasst für mich am Beispiel der Stadt auch zusammen, wofür ich Leopold Kohr schätzen gelernt habe: Eine pragmatisch und dennoch wohldurchdachte Strategie um das Leben für alle besser zu machen. Ohne verbrämte Utopien erkennt er die Realität der Menschen, seine Wünsche und Schwächen. Und versucht sie in richtige Bahnen zu lenken.

Am schönsten sieht man es an seiner fiktiven Erzählung "Der Herzog von Buen Consejo": Ein trefflicher Vorschlag zur Sanierung eines Slums in Puerto Rico. Anstatt die Stadtplaner auf die improvisierte Menschenansammlung loszulassen, sollte man doch lieber einen Superreichen dort einquartieren. Als Motivation gibt's ein großes Grundstück und einen lokalen Adelstitel. Einzige Bedingung: Der Aspirant muss mitsamt Famile auch dort hinziehen.
Somit wird eine Insel städtischer Schönheit geschaffen, die als Initialzündung der Reiche herstellt. Das Schöne greift dann weiter um sich. Jeder der es sieht, will es auch haben und fängt an, dafür auch zu arbeiten; Müßiggang wird zurückgedrängt. So wird die Eitelkeit der Menschen mehrfach ausgenutzt. Wenn es denn die Möglichkeit dazu gibt und die Durchmischung der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten gegeben wäre.

Dass ist ohnehin das Credo von Kohr für die Stadt: Er will keine Gleichschaltung, sondern die Abwechslung. Zwischen Wohnen und Arbeiten - zur Vermindung der Arbeitswege und Entstopfung der Verkehrswege. Und zwischen Arm und Reich für eine ästhetische statt langweiliger Architektur. Architektur als Spiegel des Lebens in der Stadt.

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