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Gelesen: Gewaltfreie Kommunikation, von Marshall B. Rosenberg

Zu Kommunikation und Konfliktmanagement (was für ein Wort) wird viel gelehrt, viel gelesen und wahrscheinlich noch mehr geschrieben. Einige Seminare habe ich schon besucht, dabei einiges geübt und sicher auch viel gelernt, bewusst und unbewusst. Die Übungen sind dabei oft nicht einfach und man fragt sich, wie man das im echten Leben umsetzen kann.

Dieses Buch ist hervorragend. Die Gewaltfreie Kommunikation wird als Methode vorgestellt, die verblüffend verständlich das Übel an der Wurzel packt: Seine eigene Einstellung, die eigenen Gefühle sind im Weg, die Botschaften des Kommunikationspartner zu hören oder gar zu verstehen. Diese einfache Erkenntnis bedeutet aber leider nicht, dass die Anwendung sofort und ohne Übung funktioniert. Rosenberg hat erkannt, dass dem eigenen Glück falscher Stolz und falscher Gerechtigkeitssinn hinderlich sind. Wir wollen zu oft andere bestrafen oder belohnen um unseren Willen durchzusetzen — mit dem Effekt, dass Fronten aufgebaut werden und wir mit unserem Willen allein und erfolglos bleiben. Es scheint gerecht zu sein, einen gefühlten Angriff mit gleicher Münze heimzuzahlen, uns verbal hochzurüsten und gewinnen zu wollen. Mit GFK übernehme ich dagegen Verantwortung für meine Gefühle (das ist der wirklich schwere Teil) und erkennen die Bedürfnisse meines Gegenübers; die rhetorische Frage "Was habe ich davon?" zielt dabei ins Leere: Erfüllung in der Kommunikation, sowie im ganzen Leben, ist Teamwork. Und selbst wenn man zum Gesprächspartner nicht durchkommt, das Vermeiden von persönlichem Ärger und Frustration ist es in jedem Fall wert, die GFK anzuwenden.

Die Umsetzung der Ratschläge ist denn eigentlich gar nicht so schwer. Die Ausdrucksweise wie im Buch vorgestellt klingt vielleicht etwas sperrig, aber mit Übung geht das sicher leichter von der Zunge. Von einem sollte man sich nicht entmutigen lassen: Die Reaktion der Gesprächspartner könnte vor allem anfangs etwas anders ausfallen als im Buch. Natürlich ist der Marshall Rosenberg unwiderstehlich in der Anwendung seiner Technik, bei den Beispielen im Buch kommt Erfolg recht schnell nach ein paar Sätzen; das wird nicht jedem gleich gelingen, und manchmal gelingt es auch gar nicht, seinen Gesprächspartner zu erreichen.

Aber die gute Nachricht ist: Es funktioniert trotzdem. Die Logik der GFK ist nachvollziehbar und kein esoterischer Glaubensgrundsatz (auch wenn manche Formulierungen wie "lebendige Energie" ein wenig danach klingen). Vielleicht dauert es ein wenig länger als in den Beispielen im Buch, aber auf Dauer kann sich niemand der unaufgeregten und deeskalierenden Gesprächsführung entziehen. Es ist ungleich befriedigender auch und vor allem in Konfliktsituationen, auf solche Unterhaltungen zurückzublicken als auf den üblichen Schlagabtausch, egal ob "gewonnen" oder "verloren".

Ein Buch, beziehungsweise eine Kommunikationstechnik, die mir wirklich hilft. Marshall Rosenberg ist dieses Jahr leider verstorben, aber er hat vielen Menschen, mir, etwas hinterlassen – eine einfache Erkenntnis dir mein Leben verbessert; wie schön muss es sein, so etwas zu hinterlassen.

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